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Neuro - EXTRA - Ausgabe 2002 - 1
Aktuelle Informationen der Westfälischen Stiftung Neuromedizin

Medikamentöse Behandlungsformen bei Migräne
Privatdozent Dr. med. Stefan Evers: Migränespezialist der Klinik für
Neurologie der WWU-Münster


Migräne kann manchmal eine sehr starke Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen. Bis zu 18 % der Frauen und bis zu 6 % der Männer leiden unter dieser chronischen Erkrankung, manchmal mit wöchentlich schweren Attacken. Bis vor wenigen Jahren waren einfache Schmerzmittel und ergotaminhaltige Präparate einzige Möglichkeiten, die Migräne medikamentös zu beeinflussen. Seit Anfang der 90 Jahre gibt es eine neue Substanzgruppe, die sogenannten Triptane, die die Migräne sehr viel spezifischer behandeln als die herkömmlichen Medikamente. Inzwischen gibt es sieben Triptane auf dem Markt, die allerdings noch nicht in allen Ländern einheitlich zugelassen sind.

Hintergrund der spezifischen Wirkung der Triptane ist die sogenannte neurogene Entzündung, eine schmerzhafte Erweiterung der Gehirngefäße, die die eigentliche Grundlage der Schmerzen darstellt. Triptane unterbrechen diese Entzündung und werden von den meisten Patienten nebenwirkungsfrei vertragen. Solange keine manifesten Herzerkrankungen bestehen, ist ihre Einnahme unbedenklich.

Daneben kann man Migräne auch medikamentös prophylaktisch behandeln. So wirken Betablocker, Antidepressiva, sogenannte Calcium-Antagonisten und Medikamente gegen Epilepsie auch gegen Migräne, wenn sie täglich eingenommen werden. Hinweise gibt es auch, dass Vitamin B 2 und Magnesium in höheren Dosierungen vorbeugend gegen Migräne wirken können. In jedem Fall muß durch den Arzt entschieden werden, welches Medikament das richtige ist.





Neuro - EXTRA - Ausgabe 2002 - 1
Aktuelle Informationen der Westfälischen Stiftung Neuromedizin

Sprachstörungen nach einem Schlaganfall: Besseres Verständnis der Spracherholung dank funktioneller Bildgebung.
Dipl. Phys. Dr. rer. medic. Michael Deppe: Leiter des Bereichs Funktionelle
Bildgebung der Klinik für Neurologie der WWU-Münster

Die Sprache ist unserer wichtigstes Kommunikationsmittel. Um so schlimmer ist es, wenn diese Funktion - z.B. bedingt durch einen Schlaganfall - gestört ist. Abbildung 1 zeigt eine Schnittbildaufnahme des Kopfes eines Patienten mit einem Schlaganfall. Ursache war der Verschluß der linken mittleren großen Hirnarterie (lat. A. cerebri media). Das gesamte Gewebe, das von dieser Arterie normalerweise versorgt wird, ist abgestorben und links als weißer Bereich deutlich erkennbar (siehe Pfeile).

"Mama, wieso kann Papa nicht mehr sprechen?" So oder ähnlich könnte die Frage der kleinen Tochter des Patienten lauten. Wieso verliert der Patient nach dieser Art von Schlaganfall überhaupt seine Fähigkeit, sich weiterhin verbal verständigen zu können? In Abbildung 2 - auf der nächsten Seite - sehen wir eine Schnittbildaufnahme, die am Universitätsklinikum Münster in Zusammenarbeit zwischen Radiologie und Neurologie mittels sogenannter funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) an einem Gesunden während einer Sprachaufgabe aufgenommen wurde. Im Gegensatz zur ersten Aufnahme, die zur Darstellung der Anatomie dient, können wir mit der fMRT die Funktion des Gehirns sichtbar machen.

Im einzelnen handelt es sich um die beim Suchen von Wörtern, die mit einem bestimmten Buchstaben anfangen, aktivierten Regionen im Gehirn. Deutlich wird hier, daß die meiste Aktivierung in der linken Hirnhälfte erscheint – genau in den Bereichen, die bei dem Patienten für immer abgestorben sind.

Die zweite Frage des kleinen Mädchens könnte lauten: "Wann kann der Papa denn wieder sprechen?" Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Mutter vermutlich ratlos mit den Schultern zucken und denken: "Wird er überhaupt jemals wieder sprechen können?". Wenn wir uns Abbildung 2 genauer ansehen, stellen wir fest, daß die Sprachaktivierungen nicht nur in der linken Gehirnhälfte, sondern teilweise auch spiegelbildlich  in der – bei dem Patienten intakten – rechten Hemisphäre erscheinen, allerdings viel schwächer. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß diese sogenannten kontralateralen Homologe der Sprachareale bei der Spracherholung und der damit verbundenen Reorganisation der Sprachfunktionen im Gehirn eine entscheidene Rolle spielen. Allerdings ist es immer noch sehr rätselhaft, warum es bei einigen Patienten sehr rasch zu einer Erholung kommt, und bei anderen – selbst nach langer Zeit und mühsamen Sprachtraining – keine Besserung eintritt.

Neueste Untersuchungen, die in dem Bereich Funktionelle Bildgebung der Klinik und Poliklinik für Neurologie durchgeführt werden, dienen der Untersuchung der Anatomie der Großhirnrinde unter Berücksichtigung der Sprachorganisation. Erst bei genauer Kenntnis der Hirnstrukturen, die für die Verteilung der Sprache auf die Hirnhälften verantwortlich sind, können Medikamente und die vielversprechende Magnetfeldstimulation gezielt eingesetzt werden. Mit diesem Wissen kann auch das Sprachtraining noch besser individuell auf die Schädigung und die verbliebene Funktionalität angepaßt werden. Erste Ergebnisse der laufenden Untersuchungen deuten darauf hin, daß für die Verteilung der Sprache auf die beiden Hirnhälften die Ausprägung bestimmter Kommunikationsstrukturen zwischen Arealen für das Sprachverständnis und Arealen für den Sprachausdruck eine wichtige Rolle spielen. Diesen vorläufigen Ergebnissen müssen noch viele weitere wissenschaftliche klinische Studien an Patienten folgen, bis die Frage "Welche Therapie zur Spracherholung wirkt denn wo genau am besten?" auf Basis der Funktionellen Bildgebung beantwortet werden kann.

Dieses Projekt unterstützt die Stiftung Neuromedizin seit 2 Jahren mit insgesamt über 30.000 Euro. Für die sichere Fortführung des Projekts brauchen wir Ihre Hilfe. Helfen Sie uns, damit wir Ihnen helfen können. 





Neuro - EXTRA - Ausgabe 2002 - 1
Aktuelle Informationen der Westfälischen Stiftung Neuromedizin

Aufbau eines Netzwerkes zur ambulanten Nachsorge Schädel/Hirnverletzer Kinder und Jugendlicher
Frau Gertrud Wietholt, 2. Vorsitzende der Kinderneurologie Hilfe Münster e. V.:

Die Kinderneurologie-Hilfe Münster e.V. wird in Kooperation mit der Stiftung Neuromedizin federführend in den kommenden drei Jahren ein Pilotprojekt durchführen. Hierbei geht es um die Erfassung Schädel/Hirnverletzer Kinder/Jugendlicher sowie um einen Netzausbau eines ambulanten Nachsorgesystems für betroffene Patienten zur Wiedereingliederung im psychosozialen Umfeld, in Schule und Beruf.

Geplant und in Vorbereitung sind die Standorte: Hamburg, Leipzig, Münster, Lebenszentrum Unna-Königsborn mit dem Kreis Unna als übergeordneter Region.

Die Durchführung dieses Pilotprojektes wird über Stiftungen finanziert. Hierzu gibt es bereits laufende Gespräche und Zusagen für einzelne Regionen. Das Studiendesign sieht vor, den Bereich der notwendigen Nachsorge der betroffenen Patienten zu evaluieren, wissenschaftlich zu begleiten und auszuwerten.

Hierzu sollten vor allem bereits bestehende Ressourcen mit einbezogen werden und genutzt werden. (siehe: Sozialpädiatrische Zentren, Gesundheitsämter, niedergelassene Praxen und Therapeuten der diversen Disziplinen). Dadurch wird eine stärkere Vernetzung ermöglicht. Schnittstellenprobleme sollen hierbei verdeutlicht und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Dabei werden die jeweiligen Besonderheiten der Regionen berücksichtigt werden, um am Ende der Versuchsphase aus den gewählten Standorten ein möglichst flächendeckendes Angebot zu erstellen, welches die Situation der betroffenen Patienten nachhaltig verbessert, entstehende Kosten effizienter einsetzt und somit durch Optimierung bereits bestehender Ressourcen einen angemessenen Kostenplan aufzeigen kann.

Bereits während der Durchführung des Projektes sollen Kostenträger von Krankenkassen sowie Kommunen mit in die Überlegungen des Netzwerkes einbezogen werden. Eine wissenschaftliche Begleitung soll zum Aufschluß über den tatsächlichen Bedarf und optimale Strukturen eines Netzwerkes aufzeigen, inhaltlich aber auch Ergebnisse zum Outcome der Kinder/Jugendlichen nach Schädel-Hirn-Trauma zeigen.

Die Kinderneurologie-Hilfe Münster e.V. wird die ambulant mobile heilpädagogische Begleitung in Zusammenarbeit mit allen anderen Disziplinen gewährleisten. Durch die aufsuchende Hilfe soll gleichzeitig die Umsetzbarkeit empfohlener Maßnahmen im sozialen und familiären Bereich der Kinder/Jugendlichen geklärt und gegebenenfalls Hilfestellungen gegeben werden.

Allgemeines über die Kinderneurologie:

  • Im Laufe der Jahre erfuhren wir durch unsere Arbeit mit Eltern neurologisch erkrankter Kinder, dass sich die Situation für unfallgeschädigte Kinder, ihren Familien, Betreuern und Begleitern im weiteren Sinne (dazu gehören auch Lehrer, Mitschüler, Freunde und Nachbarn - kurz: das gesamte soziale Umfeld) als besonders problematisch darstellt. Die vielfältigen Folgeschäden eines Unfalls sind für diese Personengruppe bisher noch viel zu wenig systematisch erfasst und bearbeitet worden, und dementsprechend fehlen auch gezielte Koordinations-, Beratungs-und Hilfsangebote. Aufgrund dieser Mangelsituation entwickelte der Verein ein Konzept: Rehabilitation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Schädel-Hirn-Trauma.

    Dabei geht es um die interdizipliäre pädiatrische, somato-neurologische, neuropsychologische Diagnostik, Therapie und Förderung in der Klinik, der Familie und im weiteren sozialen Umfeld.

Unsere Kooperationspartner sind zur Zeit:

  • Clemenshospital Münster
  • Gesundheitsamt der Stadt Münster
  • Kinderneurologie-Hilfe Münster e.V.
  • Staatliche Fachhochschule Münster, Fachbereich Sozialwesen und
  • die Westfälische Stiftung Neuromedizin
  • Unsere Arbeitsweise zeichnet sich durch die intensive Beratung der am Erziehungsprozess beteiligten Personen aus, aber auch durch die Weitergabe von Informationen über Auffälligkeiten an die behandelnden Ärzte und Therapeuten.

WSN, Neurologische Uni-Klinik, Albert-Schweitzer Str. 33, 48129 Münster
Tel. 0251-834-8335 u. -8486
Fax 0251-834-8486
e-Mail. mbalz@uni-muenster.de



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